Energieoptimierung Wärmepumpe

Energieoptimierungsmodell

Nun gilt es zu ermitteln, wie in unserem Energieoptimierungssystem die Intelligenz zu Stande kommt. Und mit welcher Form von Intelligenz haben wir überhaupt zu tun? „Künstliche Intelligenz zieht man zu Rate, wenn man die Mathematik nicht versteht“, wie von meinem Mathematik Professor bereits vor mehreren Jahrzehnten postuliert. Und recht hatte er! Unbestritten zeigt KI gewaltige Problemlösungskompetenz in vielen Feldern, die noch vor wenigen Jahren nicht denkbar gewesen wäre. Dennoch, zur Lösung kombinatorischer Optimierungsprobleme ist die „alte“ Intelligenz das Mittel der Wahl: der bewährte LP, MILP oder CP-Solver. Nachdem ich nicht darauf angewiesen bin an dieser Stelle Förderungsgelder zu akquirieren, kann ich das hier unverhohlen in den Raum stellen.

Um nun zu verstehen was in den grauen Zellen der „alten“ Intelligenz vor sich geht, wird nachstehend das mathematische Modell erklärt, das zur Entscheidungsfindung durch den Solver herangezogen wird.

Grundsätzlich werden Optimierungsmodelle in der Form

mit

angegeben. Diese, auf lineare Modelle beschränkte Grundform wird auch für das Energieoptimierungssystem angestrebt, da selbst große lineare Modelle durch moderne Solver äußerst effizient gelöst werden können. Verschiedenen, nicht-linearen und ganzzahligen Anteilen im vorliegenden Problem, hauptsächlich verursacht durch die nicht lineare Charakteristik der vorliegenden COP Kennlinien, wird einerseits in der Modellierung Rechnung getragen, als auch die Verwendung eines geeignete Solvers zur Lösung nicht linearer Probleme.

Variablen

WP Leistung HZDurchschnittliche Ausgangsleistung der Wärmepumpe für Heizung je Stunde.  
WP Leistung WWDurchschnittliche Ausgangsleistung der Wärmepumpe für Warmwassererzeugung je Stunde.  
WP COP HZErzielter Coefficient of Performance je Stunde für Heizung bei zu erzielender Vorlauftemperatur, gegebener Außentemperatur und Leistungsgrad der Wärmepumpe.  
WP COP WWErzielter Coefficient of Performance je Stunde für Warmwasseraufbereitung bei zu erzielender Vorlauftemperatur, gegebener Außentemperatur und Leistungsgrad der Wärmepumpe.  
Temp. HZ PufferZieltemperatur Heizungspuffer je Stunde.  
Temp. WW PufferZieltemperatur Warmwasserpuffer je Stunde.  
Slack VariablenSchlupfvariablen für Lagrange Relaxation zur Vermeidung von Infeasibilities.  
Numerische Slack VariablenSchlupfvariablen zur Vermeidung von numerischen Problemen.  
Ganzzahlige VariablenEntscheidungsvariablen zum Betriebsmodus der Wärmepumpe (Heizen oder Warmwassererzeugung).

Constraints

Maximale Leistung WPDie Ausgangsleistung darf die Nominalleistung der Wärmepumpe (12kW) zu keinem Zeitpunkt überschreiten.  
Minimale Puffertemperatur HZDie minimale Heizpuffertemperatur je Stunde laut manueller Vorgabe aus Loxone darf nicht unterschritten werden.  
Minimale Puffertemperatur WWDie minimale Heizpuffertemperatur je Stunde laut manueller Vorgabe aus Loxone darf nicht unterschritten werden.  
Temp. Heizungspuffer größer Vorlauftemp.Die zu erreichende Puffertemperatur des Heizungspuffer muss zumindest der geforderten Vorlauftemperatur laut Heizkurve des Vaillantreglers SensoComfort VRC720.  
Startbedingung Puffertemp. HZTemperatur des Heizungspuffers der Startperiode muss der aktuellen Heizpuffertemperatur entsprechen.  
Startbedingung Puffertemp. WWTemperatur des Warmwasserpuffers der Startperiode muss der aktuellen Warmwasserpuffertemperatur entsprechen.  
EnergiebilanzgleichungenDie Puffertemperaturen einer Folgeperiode entsprechen jener der Vorgängerperiode zuzüglich der zugeführten Energiemenge durch die Wärmepumpe, abzüglich des abgehenden Energiebedarfs laut Konfiguration in Loxone und abzüglich Wärmeverlusten der Pufferspeicher. Die Energiemengenberechnung erfolgt auf Basis einer spezifischen Wärmekapazität von Wasser von 4190 Ws/(kg K).  
Maximal ∆TDie maximale Temperaturdifferenz der Pufferspeicher darf diesen Wert von einer Stundenperiode auf die nächste nicht überschreiten, um sicherzustellen, dass die Wärmepumpe mit einem effizienten Leistungsgrad betrieben wird. Bei zu schneller Erwärmung besteht die Gefahr, dass das System nahe der Nominalleistung betrieben wird, was den COP Wert und damit die Effizienz erheblich reduzieren würde. Ein Wert von maximal 10°C pro Stunde hat sich als praktikabel erwiesen, wird jedoch vom Modell praktisch kaum ausgereizt.  
COP NebenbedingungenLinearisierte Nebenbedingungen zur Ermittlung des modellierten COP Wertes bei gegebener Außentemperatur jedoch in Abhängigkeit von Leistung und Soll-Vorlauftemperatur.  

Objectives

Energiekosten HZDie stündlichen Energiekosten je Periode in ct/kWh für die benötigte Eingangsleistung für Heizung, welche sich wiederum aus der Ausgangsleistung dividiert (Nicht-Linearität) durch den modellierten COP Wert ergibt.  
Energiekosten WWDie stündlichen Stromkosten je Periode in ct/kWh multipiliziert mit der benötigten Eingangsleistung für Warmwasser, welche sich wiederum aus der Ausgangsleistung dividiert (Nicht-Linearität) durch den modellierten COP Wert ergibt.  

Linearisierung

Der Schlüssel zur Erstellung eines in annehmbarer Zeit lösbaren Optimierungsproblems liegt in der Linearisierung des COP Kennfeldes. Nicht-lineare Anteile werden in erster Linie durch die Abhängigkeit von der Außentemperatur verursacht. Obwohl sich die Außentemperatur über den Optimierungszeitraum verändert, ist diese doch in jeder Periode für sich konstant.

Somit lässt sich für jede Außentemperatur Ta mit kn,Ta und dem Leistungsgrad N, sowie mit kv,Ta und Vorlauftemperatur der Wärmepumpe TV und einem Offset k0,Ta der modellierte COP Wert CM,Ta ermitteln. Der Leistungsgrad N in Prozent wird dabei durch die abgerufene Leistung der Wärmepumpe im Verhältnis zur Nominalleistung ermittelt. Somit wird angenommen, dass

(1)

mit

 (2)

Die Koeffizienten k0,Ta, kn,Ta und kv,Ta können in weiterer Folge über einen Least-Square Ansatz für Außentemperaturen Ta zwischen -15°C und +15°C anhand der von Vaillant dankbarerweise bereitgestellten Datenblätter mit tatsächlichen COP Werten CTa für entsprechende a, N und TV ermittelt werden, indem

(3)

Nach Minimierung des Modellfehlers ergeben sich für gegebenen Außentemperaturen untenstehende Koeffizienten. Dieses Kennfeld als Funktion der Außentemperatur fließt folglich ins Modell ein, wobei die Koeffizienten für Temperaturen zwischen den Stützpunkten interpoliert werden.

Unter Anwendung von Gleichung (1) auf die einzelnen Zeitperioden im Optimierungshorizont von 24 Stunden können somit die entsprechenden Constraints für die COP Nebenbedingungen aufgestellt werden.

Der durch die Linearisierung verursachte durchschnittliche Fehler steigt mit ansteigender Außentemperatur an und liegt im üblichen Betriebspunkt von -5°C bis +5°C im Bereich 0,2. Das erklärt auch die Abweichung des errechneten COP Wertes von 4,66 zu 4,3 realem COP Wert für die Heizperiode 2025 (siehe oben).

Trotz aller Linearisierung bleiben einige Nichtlinearitäten im Modell erhalten, die jedoch erfolgreich vom CP Solver faltenfrei gebügelt werden.

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